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Garantenstellung von Compliance-Mitarbeitern in Unternehmen?

einfach
schwer87 % lösen richtig
8. August 2023
10 Kommentare

Sachverhalt

Reduziert auf das Wesentliche

Jurafuchs Illustration: L sieht, wie die Müllabfuhr unberechtigt zu viel Gebühren von den Bürgen verlangt und unternimmt nichts.

L ist Leiter der Innenrevision der öffentlich-rechtlich organisierten Stadtreinigung B. L erkennt, dass Kollege G für die Straßenreinigung absichtlich höhere Gebühren als gesetzlich vorgesehen in Rechnung stellt. B erzielt so unberechtigte Mehreinnahmen. L unternimmt dagegen nichts.

Einordnung

Ein Compliance Officer überprüft die Rechtskonformität aller Prozesse und Abläufe innerhalb eines Unternehmens. Der BGH hat in dieser Entscheidung von 2009 entschieden, dass hierdurch eine Garantenpflicht übernommen wird. Erkennt der Betroffene rechtswidrige Abläufe, ist er verpflichtet einzuschreiten und darf nicht nichts tun. Dies ist natürlich nur der Fall, wenn auch der konkrete Pflichtenkreis eines Compliance Officers übernommen wird und geht nicht schon mit der bloßen Jobbezeichnung einher.

Prüfungsschema

Wie prüfst Du die Beihilfe (§ 27 StGB)?

  1. Strafbarkeit des Haupttäters
  2. Strafbarkeit des Gehilfen
    1. Objektiver Tatbestand
      1. Vorsätzliche und rechtswidrige Haupttat
      2. Beihilfehandlung: Hilfeleisten (§ 27 StGB)
    2. Subjektiver Tatbestand („doppelter Teilnehmervorsatz“)
      1. Vorsatz bezüglich der vorsätzlichen rechtswidrigen Haupttat
      2. Vorsatz bezüglich der Beihilfehandlung
    3. Ggf. Tatbestandsverschiebung nach § 28 Abs. 2 StGB
  3. Rechtswidrigkeit
  4. Schuld
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Wie kannst Du die Prüfung eines vollendeten vorsätzlichen unechten Unterlassungsdelikts aufbauen (§ 13 StGB)?

  1. Tatbestandsmäßigkeit
    1. Objektiver Tatbestand
      1. Vorliegen der objektiven Tatbestandsmerkmale eines Erfolgsdelikts
      2. Unterlassung einer geeigneten und erforderlichen Verhinderungshandlung
      3. Physisch-reale Handlungsmöglichkeit
      4. (hypothetische) Kausalität
      5. objektive Zurechnung
      6. Garantenstellung
      7. Entsprechungsklausel (§ 13 Abs. 1 2. Hs StGB)
    2. Subjektiver Tatbestand
      1. Vorsatz bzgl. objektivem Tatbestand
      2. Besondere subjektive Tatbestandsmerkmale
  2. Rechtswidrigkeit
  3. Schuld
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Wie prüfst Du den objektiven Tatbestand des Betrugs (§ 263 Abs. 1 StGB)?

  1. Täuschung über Tatsachen
  2. Irrtum (kausal durch Täuschung)
  3. Vermögensverfügung (kausal durch Irrtum)
  4. Vermögensschaden oder Vermögensgefährdung (kausal durch Vermögensverfügung)
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Eine Besprechung von:Jurafuchs
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