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Entschuldigender Notstand bei Lebensgefahr? („Das Brett des Karneades“)
Sachverhalt
Reduziert auf das Wesentliche
T und O sind schiffbrüchig. Damit sie nicht ertrinken, klettern beide auf eine Holzplanke. Diese kann aber nur eine Person tragen. Daher stößt T den geschwächten O von der Planke, um sich zu retten. O ertrinkt, T überlebt.
Einordnung
Bei dem „Brett des Karneades“ handelt es sich um einen fiktiven „Fall“, der dem griechischen Philosophen Karneades zugeschrieben wird. Der Fall handelt von zwei Schiffbrüchigen und behandelt die (rechts-)philosophische Frage, inwieweit es zulässig ist, einen anderen Menschen zu töten, um selbst zu überleben. Nach deutschem Strafrecht ist in einer solchen Lage das Handeln des Täters zwar nicht gerechtfertigt. Allerdings handelt der Täter aufgrund des bestehenden entschuldigenden Notstandes zumindest entschuldigt (§ 35 StGB), sodass er im Ergebnis straffrei bleibt.
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